Historische Holzbearbeitung im Gechinger Heimatmuseum am 4. August 2024

Für den ersten Sonntag im August hat das Team des Arbeitskreises Heimatgeschichte in Gechingen ein energiegeladenes Programm rund um das Thema „historische Holzbearbeitung“ organisiert. Das Heimatmuseum in der Kirchstraße 2/2 ist am Aktionssonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei.

Holz war in Gechingen schon immer der vielseitigste, unentbehrlichste und allgegenwärtigste Werkstoff von allen. Die Gemeinde bewahrte im Lauf der Zeit stets ihre Rechte auf Holz aus den eigenen Wäldern und setzte diese im Notfall auch durch, zum Beispiel gegen den Prälaten von Hirsau, dem das Jagdrecht im Gechinger Gemeindewald gehörte, und nach der Reformation gegen das württembergische Fürstenhaus. Holz wurde im Häuser- und Wagenbau, für Zäune, Möbel und Werkzeuge eingesetzt, mit Holz wurde geheizt und gekocht, und eine unübersehbare Anzahl von Gegenständen aus Holz wurde von Holzhandwerkern bezogen oder von geschickten Amateurhandwerkern selbst gemacht. In der Tat stellt der Gemeindewald bis heute einen beträchtlichen Teil des Vermögens der Gemeinde dar.

Entsprechend hoch entwickelt war schon in Urzeiten die Materialkenntnis – die Eigenschaften der verschiedenen Hölzer, die sie jeweils für eine bestimmte Anwendung geeignet machten, waren ebenso bekannt wie die besten Bearbeitungsmethoden und die optimale Aufbewahrung, Wartung und Reparaturtechniken. In unserer modernen Zeit, in der Holz nicht von Menschen, sondern von Maschinen verarbeitet wird, haben wir diese Kenntnisse und Fertigkeiten vergessen.

Zum Glück gibt es heute aber auch Fachleute, die sich die alten Techniken und Kenntnisse durch eigene Forschungen und praktische Umsetzung mit viel Leidenschaft und Mühe angeeignet haben, und das Museumsteam ist glücklich, dass wir Ihnen am kommenden Aktionssonntag so viele interessante Vorführungen und Aktionen bieten können. Die Zimmerei Gleiser aus Grömbach demonstriert das Behauen von Baumstämmen für den Hausbau sowie die ausgestorbene Kunst des Teuchelbohrens. Gerhard Gleiser wird zeigen, wie ein runder Stamm mittels Schnur auf die gewünschte Größe eingeteilt, mit der Axt grob in Form gebracht und anschließend mit einem Breitbeil bearbeitet wird, so dass ein gerader, viereckiger Balken entsteht.

Eicke Rossow zeigt, dazu passend, im Innenraum des Appeleshof seine Sammlung historischer Behaubeile, darunter als Besonderheit auch solche für Linkshänder.

Die Familie Eßlinger wird wieder mit der „Waldsäg“ dabei sein. Jeder, der selbst aktiv werden möchte, darf die historische Zwei-Mann-Säge, die Michael Eßlinger gehört, ausprobieren. Klein und groß, jung und alt sind gerne eingeladen, in Teamarbeit ein Stück Holz abzusägen.

Eine Aktion, die wirklichen Seltenheitswert hat, wird das Teuchelbohren, vorgeführt von Florian Gleiser, Gerhard Gleisers Sohn. Teuchel waren frühe Wasserleitungen aus Baumstämmen. Wer schon einmal die Dauerausstellung im Appeleshof besucht hat, dem ist vielleicht der mittig durchbohrte Baumstamm aufgefallen, der 2006 in einer Baugrube gefunden wurde. Dies ist ein Teuchelholz von ca. 1700, und daneben hängt auch ein etwa 4 m langer Teuchelbohrer. Das waagerechte Durchbohren war eine Technik, die großes Geschick erforderte. Es wurde auch häufig von beiden Richtungen aus gebohrt, was eine präzise Führung erforderte, damit die Bohrungen genau zusammen passten. Die Teuchelherstellung war ein derart wichtiges Handwerk, dass es sich in Flurnamen niedergeschlagen hat, zum Beispiel der Teuchelwald bei Freudenstadt oder der Teuchelweiher in Winterthur.

Florian Gleiser wird erklären und vorführen, wie solche Holzwasserleitungen hergestellt wurden. Ein Baumstamm wird mit Klammhaken auf Zimmermannsböcken festgemacht, so dass er nicht verrutschen kann. Der lange Teuchelbohrer wird auf einen höhenverstellbaren Bock aufgelegt und so ausgerichtet, dass er den Stamm genau in der Mitte durchbohrt und ein gerader Durchfluss entsteht.

Besuchen Sie uns am 4. August, 2024: es wird sich lohnen und für jeden wird etwas dabei sein.

Ulrike Emigh geb. Albert

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